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  365 Tage, Bodenplastik Claudio Magoni
  Aussenraum und Kundenbereich der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Birsfelden BL, 1996

365,25636 Tage benötigt die Erde, um sich um die Sonne zu drehen. Die Astronomen haben die Zahl in 12 Monate und 52 Wochen im Kalenderjahr eingeteilt. Die Stellen hinter dem Komma hat man alle vier Jahre im Tag eines Schaltjahres zusammengefasst. Die Unregelmässigkeit der Zeit bekam ihre kalendarische Kontrolle.

Claudio Magoni, der sich dieses Thema für eine Plastik des neuen Hauses gestellt hat, interessiert der Aspekt der Kontrolle oder des Messens nicht. Ihn interessiert der Fluss der Zeit, deren Anfang niemand genau kennt und deren Zukunft so weit und offen ist, wie das Meer. Doch die Zeit ist nicht nur eine unendliche Grösse, sondern sie strukturiert auch den Alltag des Menschen, ja ermöglicht diesem eine kommunikative Existenz.

Den Faden der Zeit hat sich der Künstler aus Metall gedacht, als ein langes, massives Rohr aus Aluminium, Messing und Kupfer. Dieses liess er auseinandersägen bis es 365 Teile waren. 301 Stück Aluminium, deren 52 aus Kupfer und 12 Stück aus Messing. Zusammen die Tageszahl des Jahres, doch die Wochen und Monate setzen sich symbolisch und farblich in der monumentalen Arbeit ab. Gediegenes Messing und rotbräunliches Kupfer sind edlere Materialien als das Leichtmetall Aluminium, das seine Aktualität der Flugzeug- und Raumfahrtindustrie verdankt und im westlichen Alltag heute nahezu unentbehrlich ist. Es symbolisiert auch den Alltag. Ein Element wie Kupfer ist weit seltener. Auch eine aufwändige Legierung wie Messing ist eine Ausnahme.

Das metallische Material ist wie Konfetti in die Porphyr-Pflasterung auf der Platzseite des neuen Hauses eingepasst und mit wenigen Elementen im Steinboden des Eingangsbereiches sorgfältig intarsiert. «365 Tage» meint mit der Zeit auch das Leben. Denn die Rohrteile erhalten durch die Passanten, die auf sie treten und sie somit benutzen, ihr Existenzrecht. Mit diesem Blick ist das Kunstwerk auch platziert. Dort, wo sich mehr Menschen bewegen oder sich Gruppen bilden, verdichten sich die schimmernden, manchmal schillernden Metalle. In ruhigeren Zonen zwischen dem Hauptgebäude und dem pavillonartigen Geschäftshaus sind sie nur vereinzelt zu finden. Im Eingangsbereich des Hauptbaues läuft Claudio Magonis Arbeit sanft aus. Die erdgebundene Kunst geht in die Welt der Elektronik über.  
Text: Lutz Windhöfel, Basel   Foto: R. Walti, Basel